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Oktober 2016 | Preistreiber Grundstückshandel

Auf dem Immobilienmarkt treibt ein Preisrekord den nächsten. So sollen beispielsweise die Wohnungspreise im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zu den ersten drei Monaten bundesweit durchschnittlich um drei Prozent und im Vorjahresvergleich um 6,3 Prozent gestiegen sein. Als Preistreiber gelten die Niedrigzinspolitik der Zentralbank und die Kommunen, die zu wenig Bauland ausweisen. Doch ein anderer Aspekt blieb lange unbeachtet: „Grundstücke werden mehrfach von Privateigentümern ge- beziehungsweise verkauft, ohne dass eine klare Absicht besteht, das Grundstück zu entwickeln“, stellt Gordon Gorski, Geschäftsführer der HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH fest.

Das Handelsblatt formuliert es ähnlich: „Spekulanten horten dringend benötigtes Bauland in zentralen Lagen, statt es zu bebauen oder weiterzuverkaufen.“ Das Verhalten stößt zunehmend auf Kritik und das sowohl bei der Politik, als auch in der Immobilienbranche selbst; denn immer mehr baureife Grundstücke bleiben einfach brachliegen, weil die Eigentümer auf weiter steigende Preise spekulieren. So wird dem Markt Bauland entzogen, damit das Angebot künstlich verknappt, eine Bebauung verzögert und vor allem Wohnungspreise werden nach oben getrieben. „Die wahren Gewinner des Immobilienbooms sind die Grundstückshändler“, bemerkt Gorski. „Früher hat ein Entwickler in den Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart den Grundstücksanteil am Wohnungspreis mit 20 Prozent angesetzt. Heute muss er mit 40 Prozent kalkulieren.“ Das schon immer etwas teurere München könnte eventuell demnächst von Berlin eingeholt werden.

In der Bundeshauptstadt nämlich hat sich das Spekulieren auf höhere Grundstückspreise in den vergangenen Jahren besonders gelohnt, meint das Handelsblatt und verweist auf den Immobilienmarktbericht des Berliner Gutachterausschusses. Demnach fallen dieses Jahr die Bodenrichtwerte innerhalb des S-Bahn-Rings für mehrstöckige Wohnbebauung um 50 Prozent höher aus als im Jahr zuvor. Außerhalb des S-Bahn-Rings, wo weniger hoch gebaut werden darf, gab es eine Steigerung um 30 Prozent. Auch ein konkretes Rechenbeispiel hat das Handelsblatt zur Hand: Ein vor zweieinhalb Jahren für 20 Millionen Euro gekauftes Grundstück in Berlin-Mitte soll kürzlich für 90 Millionen Euro über den Tisch gegangen sein. Bei einer derartigen Preistreiberei kommen laut Gorski die Entwickler an die Schallgrenze für die Wohnungspreise, die sie am Markt noch durchsetzen können – und das nicht nur in Berlin.

Politiker diskutieren, wie die Spekulation mit baureifen Grundstücken eingedämmt werden könnte. Die Möglichkeit, unbebautes Land über die Grundsteuer stärker zu besteuern wird von Interessenvertretern der Immobilienwirtschaft unterschiedlich beurteilt. Einige fordern Regelungen für nötige Ausnahmen, andere wiederum lehnen eine solche Besteuerung grundsätzlich ab und fordern stattdessen eine Förderung. Gorski hat folgenden Vorschlag parat: Baugenehmigungen sollten exakt ein Jahr, nachdem sie erteilt wurden, erlöschen. Damit würden die Eigentümer gezwungen, entweder selbst zu bauen oder an sofort Bauwillige zu verkaufen.

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